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<title>Optant</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Optant</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Optanten</b> sind im Wortsinne Personen, die eine <a href="Alternative" title="Alternative">Option</a> wahrnehmen können, also eine Wahlmöglichkeit zu ihrer Verfügung haben.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Völkerrechtliche_Vereinbarungen"><span id="V.C3.B6lkerrechtliche_Vereinbarungen"></span>Völkerrechtliche Vereinbarungen</h2></div>
<p>Der Übergang von Staatsgebieten (z. B. durch <a href="Annexion" title="Annexion">Annexion</a>, <a href="Abtretung_(V%C3%B6lkerrecht)" title="Abtretung (Völkerrecht)">Abtretung</a>, <a href="Sezession" title="Sezession">Sezession</a> oder auch <a href="Friedensvertrag" title="Friedensvertrag">friedensvertragliche Regelungen</a>) zieht in der Regel einen kollektiven Wechsel der <a href="Staatsb%C3%BCrgerschaft" title="Staatsbürgerschaft">Staatsangehörigkeit</a> der betreffenden Bevölkerung nach sich. Seit dem 17. Jahrhundert wurde die Bevölkerung immer weniger als Zubehör des Staatsgebietes aufgefasst, so dass Regelungen in die Verträge aufgenommen wurden, die es den Bewohnern erlaubten, sich der neuen Staatsgewalt durch Option für die alte Staatszugehörigkeit zu entziehen. Historisch gab es zunächst das Recht zur <a href="Auswanderung" title="Auswanderung">Auswanderung</a> (<i>beneficum emigrandi</i>) ohne besondere Erklärung, das mit der Staatszugehörigkeit noch nichts zu tun hatte. Daraus entwickelte sich dann die Option jüngerer Art.<sup id="cite_ref-Völkerrecht_1-0" class="reference"><a href="#cite_note-Völkerrecht-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Seit dem 19. Jahrhundert kam unter dem Einfluss der <a href="Franz%C3%B6sische_Revolution" title="Französische Revolution">französischen Revolution</a> der Gedanke zur Geltung, dass der Einzelne nicht gegen seinen Willen einer ihm unerwünschten Staatsangehörigkeit durch Gebietsänderung unterstellt werden dürfe. Daher wird den betroffenen Bewohnern in der Regel die Option zur Beibehaltung der alten Staatsbürgerschaft eingeräumt.<sup id="cite_ref-Völkerrecht_1-1" class="reference"><a href="#cite_note-Völkerrecht-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die völkerrechtlichen Verträge verwenden zur Bestimmung der Optionsberechtigten, das <a href="Wohnadresse" title="Wohnadresse">Wohnsitz</a>-, <a href="Ius_Sanguinis" class="mw-redirect" title="Ius Sanguinis">Abstammungs</a>-, <a href="Heimatrecht" title="Heimatrecht">Heimatprinzip</a> und den Grundsatz der <a href="Volkszugeh%C3%B6rigkeit" title="Volkszugehörigkeit">Volkszugehörigkeit</a> und verbinden und durchkreuzen diese Prinzipien in mannigfacher Art. Aus dem Recht zur Auswanderung ist teilweise auch die Verpflichtung zur Auswanderung geworden. Der Optant darf dann die alte Staatsangehörigkeit nur behalten, wenn er auf seine Heimat verzichtet. Den Optanten wird meist gestattet, ihr Vermögen unter erleichterten Bedingungen mitzunehmen. Teilweise muss der Grundbesitz verkauft oder in neuerer Zeit kann das Grundeigentum auch unangetastet bleiben.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Das Optionsrecht war in der Vergangenheit vom Grundsatz der Familieneinheit geprägt, so dass die Entscheidung des Ehemanns die Ehefrau und die minderjährigen unverheirateten Kinder automatisch einschloss.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Wahrnehmung der Option ist meistens mit einer Frist verbunden. Von <i>Optanten</i> sprach man u. a. in folgenden konkreten Fällen:
</p>
<ul><li>1871–1872: Im <a href="Friede_von_Frankfurt" title="Friede von Frankfurt">Friedensvertrag von Frankfurt</a> wurde die deutsche <a href="Annexion" title="Annexion">Annexion</a> von <a href="Reichsland_Elsa%C3%9F-Lothringen" title="Reichsland Elsaß-Lothringen">Elsass-Lothringen</a> festgeschrieben. Auf Drängen Frankreichs konnten Einwohner ohne Ansehen der Muttersprache bis zum 1. Oktober 1872 wählen, ob sie deutsche Staatsbürger werden oder nach Frankreich umsiedeln wollten.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> 49.000 Personen entschieden sich für die Umsiedlung.</li>
<li>1864–1920: Die dänisch-gesinnte Bevölkerung in <a href="Herzogtum_Schleswig" title="Herzogtum Schleswig">Schleswig</a>/<a href="S%C3%B8nderjylland" title="Sønderjylland">Sønderjylland</a> erhielt über Art. 19 des <a href="Frieden_von_Wien_(1864)" title="Frieden von Wien (1864)">Wiener Friedensvertrages</a> nach dem Ende des <a href="Deutsch-D%C3%A4nischer_Krieg" title="Deutsch-Dänischer Krieg">Deutsch-Dänischen Krieges</a> 1864 das Recht für die dänische Staatsbürgerschaft zu optieren. Im Jahr 1880 befanden sich noch 25.000 dänische Staatsangehörige ohne einheimisches Wahlrecht in Schleswig.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die offene Frage nach der Staatsangehörigkeit der etwa 4.000 zwischen 1871 und 1898 von dänischen Optanten geborenen Kinder führte zum 1907 zum Abschluss des <a href="Optantenvertrag" title="Optantenvertrag">Optantenvertrages</a>.</li>
<li>1919: Der <a href="Vertrag_von_Saint-Germain" title="Vertrag von Saint-Germain">Vertrag von Saint-Germain</a> sah für die Nachfolgestaaten <a href="%C3%96sterreich-Ungarn" title="Österreich-Ungarn">Österreich-Ungarns</a> ein Optionsrecht der Einwohner nach „Rasse und Sprache“ vor.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li>1920–1925: Der <a href="Friedensvertrag_von_Versailles" title="Friedensvertrag von Versailles">Friedensvertrag von Versailles</a> und der <a href="Kleiner_Vertrag_von_Versailles" title="Kleiner Vertrag von Versailles">Minderheitenschutzvertrag</a> regelte das Recht der Minderheiten im wieder errichteten Polen. Deutsche konnten die polnische Staatsbürgerschaft erwerben oder sich bis zu einer bestimmten Zeit für die Beibehaltung der reichsdeutschen Staatszugehörigkeit entscheiden und das Gebiet verlassen. Nach der <a href="Volksabstimmung_in_Oberschlesien_1921" title="Volksabstimmung in Oberschlesien 1921">Volksabstimmung in Oberschlesien 1921</a> war umstritten, ob die Optanten für das deutsche Reich freiwillig oder obligatorisch umsiedeln sollten (<i>Optantenkrieg</i> beigelegt in der deutsch-polnischen Wiener Konvention vom August 1923, die den Sachverhalt im Wesentlichen zugunsten Polens klärte). Etwa 30.000 Deutsche optierten für die deutsche Reichsbürgerschaft und mussten deshalb <a href="Umsiedler" title="Umsiedler">umsiedeln</a>. 1925 stellte Polen die zwangsweise Umsiedlung ein.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li>1939–1943: Die deutschsprachigen <a href="S%C3%BCdtiroler" class="mw-redirect" title="Südtiroler">Südtiroler</a> erhielten durch das <a href="Option_in_S%C3%BCdtirol" title="Option in Südtirol">Hitler-Mussolini-Abkommen</a> 1939 die Möglichkeit, sich durch Umsiedlung für die deutsche Staatsbürgerschaft zu entscheiden. Die <a href="Amtliche_deutsche_Ein-_und_R%C3%BCckwanderungsstelle" title="Amtliche deutsche Ein- und Rückwanderungsstelle">Amtliche deutsche Ein- und Rückwanderungsstelle</a> wurde dafür gegründet. Damit brach Hitler aus außenpolitischen Gründen mit dem Grundsatz der deutschen <a href="Volkstumspolitik" title="Volkstumspolitik">Volkstumspolitik</a> der Zwischenkriegszeit, deutsche Minderheiten in ihren Siedlungsgebieten zu halten.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li>Nach 1945: Ein Teil der italienischstämmigen Bevölkerung entschied sich nach der Entstehung der <a href="Sozialistische_F%C3%B6derative_Republik_Jugoslawien" title="Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien">Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien</a>, nach Italien zu ziehen. Der Begriff <i>Optant</i> wird in Italien kontrovers gesehen, stattdessen wird eher von einer Vertreibung der Exilitaliener (Esuli) gesprochen.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Staatsbürgerschaftsrecht"><span id="Staatsb.C3.BCrgerschaftsrecht"></span>Staatsbürgerschaftsrecht</h2></div>
<p>Im Staatsangehörigkeitsrecht gibt es in vielen Ländern für Doppelstaatler, die zwei oder mehr Staatsangehörigkeiten z. B. durch <a href="Geburtsortsprinzip" title="Geburtsortsprinzip">Geburtsortsprinzip</a> (<i>ius soli</i>) und <a href="Abstammungsprinzip" title="Abstammungsprinzip">Abstammungsprinzip</a> (<i>ius sanguinis</i>) haben, das Recht unter bestimmten Bedingungen durch einseitigen Akt auf Staatszugehörigkeiten zu verzichten.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Arbeitsgemeinschaft_der_Optanten_f%C3%BCr_Deutschland" title="Arbeitsgemeinschaft der Optanten für Deutschland">Arbeitsgemeinschaft der Optanten für Deutschland</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.duden.de/rechtschreibung/Optant">Eintrag bei Duden online</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-Völkerrecht-1"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Völkerrecht_1-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Völkerrecht_1-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text"><a href="Georg_Dahm" title="Georg Dahm">Georg Dahm</a>, <a href="Jost_Delbr%C3%BCck" title="Jost Delbrück">Jost Delbrück</a>, <a href="R%C3%BCdiger_Wolfrum" title="Rüdiger Wolfrum">Rüdiger Wolfrum</a>: <i>Völkerrecht.</i> Band I/2 2. Auflage, De Gruyter 2002, ISBN 3-89949-023-1, S. 68.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Georg Dahm, Jost Delbrück, Rüdiger Wolfrum: <i>Völkerrecht.</i> Band I/2, S. 69 f.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Georg Dahm, Jost Delbrück, Rüdiger Wolfrum: <i>Völkerrecht.</i> Band I/2, S. 72.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Dieter_Gosewinkel" title="Dieter Gosewinkel">Dieter Gosewinkel</a>: <i>Einbürgern und Ausschließen – Die Nationalisierung der Staatsangehörigkeit vom Deutschen Bund bis zur Bundesrepublik Deutschland.</i> Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-35165-8, S. 193.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Jan Asmussen: <i><a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.de/books?id=jKAyCI9mKl0C&printsec=frontcover&hl=de#v=onepage&q&f=false">Wir waren wie Brüder</a></i>, Hamburg 2000, S. 361/362</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">Hannelore Burger: <i>Heimatrecht und Staatsbürgerschaft Österreichischer Juden.</i> Böhlau, Wien 2013, ISBN 978-3-205-79495-0, S. 137.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Rudolf_Jaworski" title="Rudolf Jaworski">Rudolf Jaworski</a>, <a href="Marian_Wojciechowski" title="Marian Wojciechowski">Marian Wojciechowski</a> (Hrsg.): <i>Deutsche und Polen zwischen den Kriegen – Minderheitenstatus und „Volkstumskampf“ im Grenzgebiet. Amtliche Berichterstattung aus beiden Ländern 1920–1939</i>. Saur 2013, ISBN 3-598-22810-4, S. 7 f.</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">Markus Leniger: <i>Nationalsozialistische "Volkstumsarbeit" und Umsiedlungspolitik 1933–1945 – Von der Minderheitenbetreuung zur Siedlerauslese.</i> Frank & Timme 2006, ISBN 978-3-86596-082-5, S. 51.</span>
</li>
<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Jost_Delbr%C3%BCck" title="Jost Delbrück">Jost Delbrück</a>, <a href="R%C3%BCdiger_Wolfrum" title="Rüdiger Wolfrum">Rüdiger Wolfrum</a>: <i>Völkerrecht – Der Staat und andere Völkerrechtssubjekte; Räume unter internationaler Verwaltung.</i> Band I/2, De Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-89949-023-1, S. 75.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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